Mit das Projekt Kunst an der Maas bringen Z33 und das RLKM Kunst ins Limburger Maastal. Fünf Kunstwerke entstehen in den Gemeinden Dilsen-Stokkem, Kinrooi, Lanaken, Maaseik und Maasmechelen. Lesen Sie mehr

Laure Prouvost
MOEDER! OUI DREAM TILL THE END
Im äußersten Nordosten von Kinrooi liegt ein riesiger Kiessee, der durch Urbarmachung entstanden ist und heute ein Rastplatz für Mensch und Natur ist. An diesem unerwarteten Ort hat Mother! Oui dream till the end von Laure Prouvost seine Heimat gefunden hat. Die monumentale Skulptur ist eine künstlerische Interpretation der Mutter Maas, des Flusses, der dieser Region seit Jahrhunderten Fruchtbarkeit und Wohlstand beschert hat. Deshalb wird sie im Volksmund auch liebevoll Mutter Maas genannt.
Prouvost stellt Mutter Maas als hybride Figur dar: halb Frau, halb Unterwasserwesen, mit schwangerem Bauch, Tentakelarmen und Bronzevögeln, die auf ihren Armen nisten. Wie eine schützende Mutter umgibt sie einen Berg aus Maaskies, der aus demselben Untergrund stammt, aus dem auch der See selbst entstanden ist. Der Kies verweist auf die Vergangenheit des Bergbaus, erhält hier aber eine neue Bedeutung als Symbol für Fürsorge, Verbindung und Verankerung in der Landschaft. Mit ihrem Tentakel drückt sie eine Fahne in den Kiesberg, auf der bis zum Schluss die Worte Oui dream stehen. Diese Fahne bleibt auch dann sichtbar, wenn der See bei Hochwasser überflutet wird. Auf diese Weise geht das Kunstwerk buchstäblich mit der Dynamik der Umgebung einher.
Der Standort wurde nicht zufällig gewählt. Dieser Ort befindet sich in der Nähe des „Endes von Belgien“, einem symbolischen Grenzpunkt, an dem Natur, Geschichte und Landschaften aufeinandertreffen. Prouvost, die selbst aus einer französisch-belgischen Grenzregion stammt, spielt in ihrer Arbeit oft mit Mehrsprachigkeit und Bedeutungsverschiebungen. „Oui klingt wie wir, oder ‚uns'“, erklärt sie. „Die Flagge drückt die Hoffnung aus, dass wir gemeinsam weiter träumen – bis zum Ende.“
Die Wahl einer Halb-Krakenfigur passt zu einem wiederkehrenden Thema in Laure Prouvosts Werk. Ein Oktopus hat mehrere Herzen und kein zentrales Gehirn. Sowohl seine Sinne als auch sein Gehirn befinden sich in seinen Tentakeln. Er denkt durch Fühlen und fühlt durch Denken. Indem sie diese Eigenschaften mit einer menschlichen Form kombiniert, lädt uns Prouvost ein, andere Lebewesen anders zu sehen, zu denken und zu empfinden.
GRENZENLOSE HANDWERKSKUNST
Mutter! Oui dream till the end ist nicht nur ein künstlerischer Leuchtturm im Maastal, sondern auch ein Beispiel für grenzüberschreitende Handwerkskunst. Die sechs Meter lange, drei Meter hohe und fast zwei Tonnen schwere Monumentalskulptur entstand in einem intensiven, eineinhalbjährigen Produktionsprozess in Zusammenarbeit mit spezialisierten Bronze-Werkstätten in Belgien und den Niederlanden.
Laure Prouvost begann den Entstehungsprozess mit mehreren Ideen, Skizzen und Tonmodellen. Im Dialog mit einer lokalen Arbeitsgruppe aus Anwohnern mit unterschiedlichen Fachkenntnissen wurde der Vorschlag für Mutter Maas ausgewählt und weiter verfeinert. Auf dieser Grundlage wurde im Atelier Brons in Zottegem ein 3D-Scan angefertigt und eine lebensgroße Form aus Polystyrolschaum ausgefräst, die dann von einem Team von Bildhauern detailliert ausgearbeitet wurde. Die Formen wurden nach Balk in den Niederlanden transportiert, wo die Bronze bei Temperaturen von bis zu 1.200°C gegossen wurde. Nach dem Aushärten kehrten die Teile nach Belgien zurück, wo sie poliert und montiert wurden.
Auch die Montage vor Ort erforderte technische Präzision. Aufgrund des Umfangs der Arbeiten und der Lage im offenen Wasser wurde ein provisorischer Damm errichtet, damit das Fundament trocken gebaut werden konnte. Dieses Fundament verschwindet später wieder unter Wasser, so dass sich die Skulptur sozusagen aus dem Teich erhebt.
LAURE PROUVOST
Laure Prouvost (Croix-Lille, 1978) lebt und arbeitet zwischen Antwerpen und London.
Sie wurde 2013 mit dem Turner Prize, 2011 mit dem Max Mara Prize for Women, 2010 und 2011 mit dem Hauptpreis der Kurzfilmtage Oberhausen sowie mit dem FIPRESCI-Kritikerpreis bei der 62. Ausgabe dieses Festivals und 2009 mit dem EAST International Award ausgezeichnet. Im Jahr 2016 wurde sie zum Ritter des Nationalen Verdienstordens und 2019 zum Offizier des Ordens der Künste und des Schrifttums ernannt. Sie vertrat Frankreich bei der 58. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig (2019).
Sie hatte Einzelausstellungen in zahlreichen (inter)nationalen Kunstinstitutionen wie De Pont, Bonnefanten, M HKA u. a. Ihre Werke sind Teil mehrerer Sammlungen.
Mit Hilfe von Video, Zeichnungen, Teppichen, Keramik, Fotografie, Performance und vor allem Sprache schafft Laure Prouvost immersive Installationen, die den Betrachter in einen Zustand der persönlichen und kollektiven Introspektion versetzen. Worte, Bilder, Erinnerungen, die fünf Sinne – alles, was greifbar und verlässlich erscheint, wird durch die fantastische Natur der von der Künstlerin eingeführten mehrdeutigen Erzählungen auf den Kopf gestellt. Ihre Beziehung zur Sprache, die schelmisch und humorvoll ist, ist von ihrer eigenen Erfahrung und der Kluft zwischen der alltäglichen gesprochenen Sprache in England und ihrer Muttersprache beeinflusst.
PRAXIS
Mutter! Oui dream till the end ist über das Wander- und Radwegenetz im Maasvallei River Park leicht zu erreichen. Besucher können auf den Parkplätzen 3 oder 4 des Wandergebiets ‚Kessenich und die drei Eigenen‘ parken. Von dort aus führt Sie die Beschilderung ‚Kunst aan de Maas‘ zum Kunstwerk: über die rote Wanderroute ab Parkplatz 3 oder die violette Route ab Parkplatz 4 (Visit Kinrooi). Festes Schuhwerk wird empfohlen. Sie können auch direkt zur Bastei gehen.
Wenn Sie Lust auf mehr haben, können Sie die Wanderung auf der roten Schleife durch das Naturschutzgebiet Koningssteen-Kollegreend fortsetzen – eine der schönsten Landschaften des Maastals. Unterwegs kommt man auch am symbolischen ‚Ende Belgiens‘ vorbei, auf das Prouvost im Titel ihres Werks subtil anspielt.
Mit dem Fahrrad erreicht man das Kunstwerk zwischen den Knotenpunkten 21 und 22. Die Radwegenetze von Flandern, den Niederlanden und Deutschland schließen hier nahtlos aneinander an.
Auf der Suche nach einem mehrtägigen Mikro-Abenteuer? Der Fernwanderweg des RivierPark Maasvallei führt am Kunstwerk vorbei. Oder entdecken Sie Mutter! vom Wasser aus mit einer stillen Schaluppe (via Botel Ophoven) oder Treibgut (Sailcenter Limburg). Noch mehr lokale Tipps finden Sie unter www.visitkinrooi.com.
Für Familien mit Kindern
Von der Bastei aus ist das Kunstwerk bereits gut zu sehen, aber wenn Sie dem Deichweg folgen, können Sie sich dem Kunstwerk leicht nähern. Dort am Ufer finden Familien auch einige große Maasblöcke mit spielerischen Aufgaben.
MIT DANKE
Dieses Kunstwerk entstand in Zusammenarbeit mit einer lokalen Arbeitsgruppe von Anwohnern (Jörgen Janssenswillen, Anja Neskens, Koen Prikken, Christel Rutten, Luc Vanthoor), der Gemeinde Kinrooi, De Vlaamse Waterweg, Brons Atelier, Flassh Bronsgieterij Balk (NL), Vandebos Bouwonderneming, Ebema, dr. ir. ing. Robrecht Keersmaekers, Peter Firman, Magma Architects und Dinanderie Clabots.
Dank an die Tentakel des Studios: Mona Pouillon, Dora Benyó, Elia Castina, Véronique Vaes.